Originalquelle: ALLRIS-Original

Ö 5.22 Forum Exilkultur Bonn

beschlusstext · 2022-02-10 · Rat

Beschlusstext (amtlich)

—— Beschlussauszug Sitzung des Rates vom 10.02.2022

5.22 Forum Exilkultur Bonn geändert beschlossen

220064

Abstimmungsergebnis: geändert, wie Kulturausschuss, einstimmig

Beschluss:

  1. Der Rat begrüßt die in der beigefügten Skizze dargestellte Projektidee eines

Forums Exilkultur Bonn im Windeckbunker.

  1. Um über nächste Schritte für eine mögliche spätere Realisierung

entscheiden zu können, wird die Verwaltung beauftragt, a) eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, die unter Berücksichtigung denkmalrechtlicher Erfordernisse die erforderlichen baulichen Maßnahmen am Windeckbunker eruiert und eine erste Kosten- und Zeitprognose erstellt, b) auf der Grundlage der o.g. Projektskizze ein Konzept für die Umwidmung des Windeckbunkers in einen öffentlichen Gedenk- und Diskursort zu erarbeiten (inklusive Betriebs- und Finanzierungsplan) und c) zu prüfen, ob und wie durch geeignete Betriebs-, Realisierungs- und Finanzierungsmodelle die Belastungen für den städtischen Haushalt möglichst geringgehalten werden können.

  1. Die Ziffer 2. des Beschlusses des Ausschusses für Planung Verkehr und

Denkmalschutz vom 24.06.2020, DS-Nr. 200787 (Auftrag zur Vorbereitung eines Investorenauswahlverfahrens für eine Nachnutzung des Bunkers unter Berücksichtigung der in der Begründung beschriebenen Rahmenbedingungen sowie der noch zu erarbeitenden wirtschaftlichen Aspekte) wird bis zu einer endgültigen Entscheidung über die Realisierung dieses Projektes ausgesetzt.

Der o.g. Beschluss erfolgt mit der Maßgabe, dass durch Informationsveranstaltungen und Zwischenstandberichte zu den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie eine breite Öffentlichkeit hergestellt wird. Nach Abschluss der Machbarkeitsstudie werden die Möglichkeiten zur Einrichtung eines digitalen Zugangs zur Sammlung und die digitale Inventarisierung geprüft.

Die Ergänzung (Fettdruck) geht zurück auf die Beschlussfassung des Kulturausschusses vom 01.02.2022, die vom Rat übernommen wurde.

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Beschlussauszug der Sitzung des Rates Seite 2

—— An der Aussprache beteiligten sich: Stv. Schröder -FDP-, der den Änderungsantrag der FDP zurückzieht, wenn die Empfehlung des Kulturausschusses Abstimmungsgrundlage ist, und Stv. Dr. Sachsse-Schadt -Grüne-.

Anlage 1 TOP 5.22 Skizze Forum Exilkultur

Seite 2 von 5 Sport- und Kulturdezernat der Bundesstadt Bonn

„Forum Exilkultur Bonn“ - Projektskizze - 1 Stand: Januar 2022 Das Projektziel

Das im denkmalgeschützten Windeckbunker verortete Forum Exilkultur Bonn ist ein wichtiger Bestandteil der Erinnerungskultur der Bundesstadt Bonn. Mit dem Forum Exilkultur Bonn setzt die Stadt als `Geburtsort‘ des Grundgesetzes und Sitz der UNO-Flüchtlingshilfe, der deutschen Partnerin des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) ein starkes Zeichen für Demokratie und Menschenrechte und schafft eine bundesweit einmalige Form des Erinnerns, die auch stark in die Zukunft wirkt. Das Forum für Exilkultur in Bonn Der Windeckbunker als historischer Ort erfährt seine Transformation in einen Ort für Demo- kratie - gegen Rassismus und für Humanität. Die Begegnung mit Exilkünstler*innen und künstlerische Teilhabemöglichkeiten geflüchteter Menschen können helfen, Radikalisierung und Extremismus entgegenzuwirken und gegen das Vergessen zu arbeiten. Die Exilerfahrungen im Gestern und im Heute bekommen einen festen Platz in unserem Erin- nern an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft, genauso wie in der Auseinandersetzung mit Emigration und Exil in der Gegenwart. Dieser konzeptionelle Ansatz ist wegweisend für die Vermittlung von Exilerfahrungen. Er ermöglicht einen Perspektivenwechsel, mit dem die Rele- vanz der Vergangenheit für die Gegenwart sichtbar wird. Als Bundespräsident Roman Herzog am 12. Januar 1996 in Bonn den 27. Januar zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erklärte, sagte er, dass es wichtig sei, „eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt“. Der künftige Bunker für Demokratie ist ein Beispiel dafür, wie so etwas gelingen kann. Basis ist die „ Sammlung Memoria “ des Kölner Sammlers Thomas B. Schumann mit über 50.000 Büchern von Exilautor*innen und rund 1.000 Bildwerken von exilierten Künst- ler*innen, die in der Zeit der NS-Herrschaft 1933-1945 Deutschland verlassen mussten. Mit dieser in ihrer Fokussierung einzigartigen Sammlung will Thomas B. Schumann „durch Sammeln retten vor dem endgültigen Vergessen“. Eine besondere Rolle kommt der Künstlerin Milein Cosman zu, die 1921 als Kind jüdischer Eltern in Gotha und Düsseldorf lebte, 1933 in die Schweiz und 1939 nach England ging, wo sie bis zu ihrem Tod 2017 lebte. Milein Cosman arbeitete als Illustratorin und genoss eine hohe Reputation als eine der führenden Portraitistinnen Englands. 1949 porträtierte sie im Auftrag des Magazins „Heute“ das erste Kabinett von Adenauer in Bonn. Es ist geplant, einen Raum einzurichten, in dem ihre Kunst und anhand von biographischen Gegenständen ihre Lebensgeschichte erzählt wird. Der Cosman Keller Musik & Art Trust hat sein Interesse an einer Zusammenarbeit und seine Bereitschaft zur Schenkung weiterer Kunstwerke Milein Cosmans und zur finanziellen Unterstützung der Aufbauphase des Forums Exilkultur Bonn erklärt. Wechselnde Ausstellungen von Künstler*innen, die heute in Deutschland im Exil leben und arbeiten spannen einen Bogen in die Gegenwart und veranschaulichen, dass das Thema Exil kein historisch abgeschlossenes, sondern ein aktuelles und allgegenwärtiges ist. Geflüchtete Menschen sollen aktiv in die Arbeit des Hauses eingebunden werden und die Möglichkeit bekommen, sich künstlerisch und kreativ zu entfalten und zu präsentieren. Hierzu ist eine Zusammenarbeit mit der UNO-Flüchtlingshilfe geplant. Anlage zu TOP 55..2222 Rat:: 1100..0022..22002222 Seite 3 von 5 2

Angebote der Vermittlung und der kulturellen Bildung in Kooperation mit den städtischen Kulturinstituten und vielen weiteren Partner*innen in Bonn schaffen die Grundlage für eine tiefe Vernetzung in die Stadtgesellschaft aber auch zu nationalen bzw. internationalen Partner*innen, wie z.B. der CASA STEFAN ZWEIG in Petrópolis, Brasilien. Das Forum Exilkultur Bonn versteht sich als Ort der Geschichte, Gegenwart und Zukunft, der den Diskurs anregt und sich aktiv mit dem Thema Menschenrechte und Menschenrechtsbildung auseinandersetzt. Ein besonderer Fokus soll auf der historischen-politischen Bildung und der Arbeit mit Schulen liegen. Das Gebäude Der Purismus des Bunkers eignet sich hervorragend für die dauerhafte Platzierung der Exilkunstwerke, fördert die eindeutige Identifikation mit der Thematik Exil im Gebäude und macht keine größeren baulichen Eingriffe erforderlich. Beim Umbau müssen allerdings die Sicherheitsanforderungen den neuesten Vorschriften eines öffentlichen Gebäudes ent- sprechend berücksichtigt werden (z.B. Herstellung von Barrierefreiheit). Ersten Überlegungen nach richtet sich der geplante Haupteingang zum neugestalteten Park und stellt eine Blickrichtung her. Der Bunker liegt auf gleicher Höhe der Parkanlage. Ein barrierefreier Zugang wäre somit möglich. Zusätzlich soll ein Eingang/Ausgang Richtung Haus der Bildung hergestellt werden – nicht zuletzt mit Blick auf die gemeinschaftliche Nutzung des Außenareals. Zwingend ist der Einbau einer Aufzugsanlage über alle Ebenen. Auf dem Dach (Aussichtsplattform mit Begrünung) wäre – abhängig von der Aufzugsanlage - ein sichtbarer Aufbau erforderlich. Sinnvolle und notwendige Öffnungen der Innenwände müssten ebenfalls bei der Planung berücksichtigt werden – Entrée, Sanitäre Anlagen, Brandschutz, Lüftung, evtl. Klimaanlage etc. Sämtliche Eingriffe in bestehende Substanz sind mit Denkmalpflege und mit Tragwerksplanern abzustimmen. Für weitergehende Aussagen ist im nächsten Schritt eine Machbarkeitsstudie erforderlich. Der Windeckbunker ist aufgrund eines extensiven Bewuchs mit Efeu und wildem Wein Zentrum eines schutzwürdigen Biotops inmitten der Bonner Innenstadt und Station des städtischen Lehrpfades für Artenvielfalt. Das Forum Exilkultur Bonn soll daher auch inhaltlich einen Bogen von der Bedeutung der Bunkerbegrünung für Klima und Artenschutz in Bonn zu der steigenden Zahl von Klimaflüchtlingen als Folge des globalen Klimawandels spannen. Exilmuseen: Solingen. Berlin. Bonn Alleinstellungsmerkmal des Bonner Projekts ist die Anknüpfung an die einzigartige Sammlung bildender Kunst von Exilant*innen von Thomas B. Schumann, da bildende Kunst aus dem Exil als solche bisher weder gezeigt noch wissenschaftlich-historisch diskutiert worden ist. Hinzu kommt die Einbettung in das kommunale Gesamtkonzept „Aktive Erinnerungskultur“ und die Partnerschaft mit der „UNO-Flüchtlingshilfe – Deutschland für den UNHCR“. Mit der Kooperation mit der UNO-Flüchtlingshilfe wir die Brücke zur Gegenwart geschlagen und die historischen Erfahrungen der deutschen Exilant*innen mit gegenwärtigen Fluchterfahrungen in Beziehung gesetzt. Im Forum für Exilkultur Bonn entsteht ein Galeriebereich (Exil -Galerie, Exil Gallery) und ein Museum mit Originalobjekten und der Aura des Authentischen. Seite 4 von 5 3

In Solingen widmet sich das Zentrum für verfolgte Künste im Kunstmuseum seit 2015 Künst- ler*innen, deren Entfaltungsmöglichkeiten durch Terror und Gewalt blockiert, verhindert oder vernichtet wurden. (kuenste-im-exil.de). In Berlin plant eine private Initiative das erste deutsche Exilmuseum. Die Stiftung Exilmuseum hat einen internationalen Architekturwettbewerb für einen Museumsneubau am Anhalter Bahnhof ausgelobt. Den ersten Platz belegte 2020 die dänische Architektin Dorte Mantrup. Schirmherrin des Berliner Projekts ist Herta Müller. (stiftung-exilmuseum.berlin) Die Gruppe der Exilant*innen ist bis heute die letzte Verfolgtengruppe der Nationalsozialismus ohne eigenes museales Memorial. Dass diese über Jahrzehnte „unerledigte Aufgabe der deutschen Kulturpolitik“ (Jürgen Faube, FAZ) in jüngerer Zeit durch verschiedene Initiativen aufgegriffen wird, ist eine positive Entwicklung. Diese Initiativen stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern in konstruktivem Austausch. Geplant ist, Prof. Dr. Christoph Stölzl (Gründungsdirektor Exilmuseum Berlin) und Jürgen Kaumkötter (Direktor des Zentrums für verfolgte Künste, Solingen) über ein Kuratorium / einen Beirat mit ihrer Expertise in das Projekt einzubinden. Organisation, Betrieb und Finanzierung Das Forum Exilkultur Bonn könnte als Dependance des Stadtmuseums geführt werden, andere städtische, ggf. auch nichtstädtische Trägermodelle sind aber nicht ausgeschlossen. Zentraler Partner ist der Verein Forum Exilkultur Bonn e.V., der sich voraussichtlich Anfang 2022 gründen wird. Sowohl für die erforderlichen Baumaßnahmen als auch für den Betrieb des Forum Exilkultur Bonn sollen Drittmittel eingeworben werden (EU, Bund, Land, Stiftungen). Im nächsten Schritt müssen das Konzept und ein Betriebsmodell erarbeitet und auf dieser Grundlage ein Kosten- und Finanzierungsplan erstellt werden. Weitere Schritte (idealerweise) 2022 Beauftragung Rat (Machbarkeitsstudie Bunker, Konzept, Betriebsmodell, Kosten- und Finanzierungsplan) auf der Grundlage dieser Konzeptidee 2022 Erarbeitung Konzept und Betriebsmodell (unter Einbindung von Partnern), Beauftragung Machbarkeitsstudie 2022 Grundsatzbeschluss im Rahmen der Haushaltsberatungen 2023/2024, Fördermittelakquise 2023 Beginn erforderlicher Baumaßnahmen, wissenschaftliche Erfassung und Bearbeitung Sammlung Memoria, Erarbeitung und Umsetzung Präsentationskonzeption (inkl. Raum Milein Cosman), Vorbereitung Betrieb 2024 Fertigstellung Fundierte Aussagen zum möglichen zeitlichen Ablauf der erforderlichen Baumaßnahmen können erst im Rahmen einer Machbarkeitsstudie ermittelt werden. Seite 5 von 5

PDF-Kopie: https://mcp.linkebonn.de/dokument/top:49048/pdf

Weiterführend